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ARD - Nachrichtenunterdrückung: BRICS und SCO in Ufa

Hier veröffentlichen wir externe Programmbeschwerden mit freundlicher Genehmigung der Beschwerdeführer. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die in den Beschwerden thematisierten Anliegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Beschwerdeführer liegen und diese nicht automatisch die Meinung der Forenbetreiber wiederspiegeln.
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Maren

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ARD - Nachrichtenunterdrückung: BRICS und SCO in Ufa

BeitragSo 19. Jul 2015, 10:27

An: Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates, Frau Dagmar Pohl-Laukamp
Intendant des NDR, Herrn Lutz Marmor
Stellv. Intendant des NDR, Dr. Arno Beyer

Von: Volker Bräutigam 19.07.2015
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Programmbeschwerde wg. Nachrichtenunterdrückung: BRICS und SCO in Ufa


Sehr geehrte Frau Vorsitzende Pohl-Laukamp,

sehr geehrte Herren Intendanten Marmor und Dr. Beyer,

hier eine weitere Programmbeschwerde über ARD-aktuell, wiederum mit dem Vorwurf der Nachrichtenunterdrückung, diesmal die Konferenz der BRICS- sowie der SCO-Staaten in Ufa in der zweiten Juli-Woche betreffend.

Über dieses Ereignis berichtete lediglich und höchst bescheiden tagesschau.de, allerdings auch nur in einem einzigen Beitrag:

Auf dem Weg zum neuen Machtzentrum?

In der TS selbst gab es bloß am 9.7. in der Vormittagssendung um 9 Uhr einen Hinweis, dass der iranische Präsident nach Ufa gefahren sei. Über die Konferenz und deren Ziele bzw. Ergebnisse nichts.

Und auch ansonsten: NICHTS. Kein Wort.

Die nach Ufa gereisten Staatschefs besetzen Gegenpositionen zur neoliberalen und unipolaren Weltordnung unter US-Vormundschaft. Welche Beschlüsse sie fassten, auf welchen Gebieten sie verstärkt gemeinsam tätig werden wollen und welche Ziele sie sich setzten, das war und ist für deutsche Zuschauer von großem Interesse. Nicht nur, weil die BRICS einen erheblich höheren Anteil der Weltbevölkerung repräsentieren als die G7 und ihr Anteil am weltweiten BIP sich dem der G7 annähert, sondern auch, weil dort weltpolitisch bedeutsame Initiativen entwickelt werden, allen voran eine Alternative zum IWF.

Welches Gewicht andere sogenannte Qualitätsmedien der Konferenz beimaßen, entnehmen Sie bitte der Wochenzeitung ZEIT, die ich hier stellvertretend für alle auszugsweise zitiere, um das Ausmaß der redaktionellen Fehlentscheidung von ARD-aktuell kenntlich zu machen:

Russland und China entwerfen eine neue Weltordnung

Seit einem halben Jahr starrt Europa auf Griechenland. Darüber gerät unseren überforderten Politikern alles andere aus dem Blickfeld (...) nur Spezialisten nehmen überhaupt wahr, wie sich die tektonischen Platten der Geopolitik zwischen dem Ural und dem Pazifik gegenwärtig verschieben. Russland und China sind dabei, eine neue Weltordnung zu entwerfen, die nicht länger von Amerika und Europa dominiert wird. Dies jedenfalls ist die Botschaft, die vorige Woche von der im südlichen Ural gelegenen Stadt Ufa ausging. Dort versammelten sich in den diesen Tagen nacheinander die Staats- und Regierungschefs der BRICS und der Shanghai Cooperation Organization (SCO) – zweier Zusammenschlüsse von Staaten, die entschlossen sind, sich der westlichen Vorherrschaft zu entziehen, die sie als unerträgliche Bevormundung empfinden. (...)

Brics: (...) fünf aufstrebende Länder, (...) auf die heute mit ihren 42 Prozent der Weltbevölkerung 27 Prozent des Weltsozialprodukts und 17 Prozent des Welthandels entfallen(...) Aus aufstrebenden Märkten sollten aufstrebende Mächte werden.

(...) Bei dem SCO-Gipfel in Ufa wurden nun auch Indien und Pakistan aufgenommen. Beobachterstatus haben die Mongolei, Iran, Afghanistan und Weißrussland. Die Organisation soll die Zusammenarbeit der beteiligten Länder auf allen Gebieten fördern. (...)

Die hier oft dokumentierten Anstrengungen in aller Welt, sich vom Joch des Westblocks zu befreien, sind einen Schritt weiter gekommen. Die Beziehungen unter den BRICS-Staaten sind noch einmal enger geworden. Bei ihrem zweitägigen Treffen in der russischen Metropole Ufa verkündeten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, dass ihre neugegründete Entwicklungsbank bereits ab Beginn kommenden Jahres Investitionen tätigen soll. (...)

14. Juli 2015 07:27 Uhr - Quelle: http://www.zeit.de/politik/ausland/2015 ... geopolitik

Soweit die ZEIT, ein gewiss nicht prorussischer bzw. linker Tendenzen verdächtiger Zeuge.

Dass Tagesschau und Tagesthemen für diese Informationen keine Sekunde Platz hatten, wohl aber viele Sendeminuten für so weltbewegende Nachrichten wie

South Carolina holt die Südstaatenfahne ein / Schweinsteiger verlässt FC Bayern /
Streik bei der Londoner U-Bahn / Tod von Omar Sharif

und wie das noch mit dem NDR-Staatsvertrag in Einklang zu bringen sein könnte

§ 5 Programmauftrag

(1) Der NDR hat den Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das (...) Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm hat der Information (...) zu dienen.

§ 8 Programmgestaltung

(1) Der NDR ist (...) zur Wahrheit verpflichtet. (...) (...) Ziel aller Informationssendungen ist es, sachlich und umfassend zu unterrichten und damit zur selbständigen Urteilsbildung der Bürger und Bürgerinnen beizutragen. (2) Berichterstattung und Informationssendungen (...) müssen unabhängig und sachlich sein.. (...)

das bitte ich Sie und den NDR-Rundfunkrat zu klären. Es liegt zumindest ein schwerwiegendes Versäumnis vor, wenn nicht bewusste Nachrichten-Unterdrückung; in jedem Fall eine Fehlleistung, die als typischer Ausdruck antirussischer Tendenzen der Redaktion erscheint.

Auf der Internetseite „Propagandaschau.de“ heißt es kommentierend:

„Wer heute ein ausgewogenes Bild des Weltgeschehens bekommen möchte, ist bei ARD und ZDF an der falschen Adresse und auf russische Medien wie RT oder SPUTNIK geradezu angewiesen.“


Ich teile diese Meinung uneingeschränkt. Auf das Ergebnis Ihrer Prüfung meiner Beschwerde warte ich mit großer Spannung, denn ARD-Aktuell-Chefredakteur Dr. Gniffke wird dazu wieder gehört werden und eine Erklärung abzugeben haben; er wird folglich mit einem weiteren Versuch scheitern, auf einer Glatze Löckchen zu drehen.

Kleine Argumentationshilfe:

„Das ZDF hat ja auch nix über Ufa gebracht.“


Das wäre ebenso zutreffend wie erheiternd. Als Entschuldigung allerdings nicht mehr originell, denn auf diesem Niveau hat sich der Herr ja schon bei einer anderen Beschwerde bewegt. Vielleicht reicht Dr. Gniffke nun beim ZDF eine Programmbeschwerde ein?



Mit freundlichen Grüßen

Volker Bräutigam
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Maren

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Re: ARD - Nachrichtenunterdrückung: BRICS und SCO in Ufa

BeitragFr 7. Aug 2015, 11:25

Sehr geehrter Herr Bräutigam,

Ihre E-Mail vom 19. Juli 2015 habe ich erhalten. Darin werfen Sie ARD-aktuell eine bewusste Unterdrückung von Nachrichten vor und kritisieren unter anderem, dass in unseren aktuellen Sendungen nur einmal auf tagesschau.de über die Konferenz der BRICS berichtet wurde. Dies ist nicht der Fall, wie Sie der beiliegenden Stellungnahme von Herrn Dr. Gniffke zu Ihrer Kritik entnehmen können.

Mit freundlichen Grüßen

Lutz Marmor
ARD-Vorsitzender
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BRICS_Gniffke_Bräutigam.pdf
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Maren

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Re: ARD - Nachrichtenunterdrückung: BRICS und SCO in Ufa

BeitragFr 7. Aug 2015, 11:27

Sehr geehrter Herr Marmor,

besten Dank für Ihre Nachricht. Potzblitz, ARD-aktuell hat also die Weltnachricht über Ufa tatsächlich ebenfalls gebracht. Zweimal, jeweils in TS-Nachmittagssendungen um 15 Uhr und einmal in einem TS-Nachtmagazin. Und natürlich im Internet.
Diese beeindruckenden Bemühungen um eine staatsvertragskonforme und jeden Anschein von antirussischer Tendenz widerlegende, umfassende Berichterstattung sind mir doch glatt entgangen - wie wohl auch der überwältigenden Mehrheit des pp. Publikums. Welche Nachlässigkeit. Mein Vorwurf der Nachrichtenunterdrückung ist demnach hinfällig.

Es scheint wirklich an der Zeit, dass ARD-aktuell mit einem aufmerksameren und aktiveren Publikum bedient wird. Mit einem Publikum, das sich zu einer über den Tag ordentlich aufgeteilten Rezeption der Tagesschau-Nachrichten organisiert, untereinander abspricht und sich die wichtisten Informationen selbständig weiterreicht, ohne dass sie von der Tagesschau um 20 Uhr oder den Tagesthemen extra wiederholt werden müssen. Eindeutig war der Aufmerksamkeitsgrad des bisher tätigen Publikums im vorliegenden Fall läppisch gering. Das müsste diesem Volk mal anhand der entsprechenden TV-Einschaltquoten und der Besucherzahlen auf Tagesschau.de unter die Nase gerieben werden. Und zwar nachdrücklich.

Ich bitte darum, die Angelegenheit dem Rundfunkrat zur Dikussion zu stellen. Wer könnte es besser wissen, wie dem reichen Informationsangebot der ARD-aktuell eine Zuschauerschaft mit anständigerem Betragen zur Verfügung zu stellen wäre?

Mit freundlichen Grüßen
Volker Bräutigam

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