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Aktive Sterbehilfe für die SPD

Über einen bestimmten Zeitraum beobachtete Tendenzen der Nachrichtengebung und der Berichterstattung über ausgewählten Themen.
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Maren

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Aktive Sterbehilfe für die SPD

Beitrag4. Januar 2020, 22:00

Kommentar zum Beitrag der Tagesschau vom 08.12.2019 zum Bundesparteitag der SPD

Die Tagesschau vom 08.12.2019 lieferte in einem Beitrag zum Thema Abschluss des Bundesparteitags der SPD ca. 0,5 Minuten Informationen und 4 Minuten lang Wertungen. Von gleich mehreren beteiligten Reportern wurde dem Zuschauer eindringlich mitgeteilt, was er von dem SPD-Parteitag zu halten hat.

Die eigentlichen Informationen waren dabei so spärlich, verkürzt und selektiv zugespitzt, dass es dem Zuschauer nicht möglich war, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Zunächst kam die neue SPD-Vorsitzende Saskia Esken ganz kurz zu Wort. Der ARD-Journalist Moritz Rödle nahm dies als Einstieg für die erste Wertung:

„Investitionen sind der zentrale Begriff für das neue Führungsduo, deshalb diskutierte der Parteitag heute, ob die Schuldenbremse noch zeitgemäß ist.“… „Doch da ist die SPD nicht einig, der Finanzminister kann die schwarze Null wegen Krankheit nicht verteidigen, das übernimmt seine parlamentarische Staatssekretärin. Man brauche gar keine Schulden machen, es sei genug Geld vorhanden…“

Judith Rakers meldete sich wenig später:
„Mit ihren finanzpolitischen Forderungen stößt die SPD beim Koalitionspartner auf Ablehnung“ und zitierte als erstes eine Stellungnahme von Annegret Kramp-Karrenbauer.

Danach kam ein ausführlicher Beitrag von Kerstin Palzer, in welchem dem letzten noch frei denkendem Zuschauer so richtig der Kopf gewaschen wurde:

„Die SPD vermisst die Mitte neu und will nach links rücken. Aber die Union will nicht mitrücken. Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag spricht im Bericht aus Berlin von Linksträumereien der SPD und schickt eine Warnung hinterher: O-Ton Herr Dobrindt: „Ich kann der SPD nur raten, nicht zu versuchen jetzt bewusst Konflikte zu schüren und damit Belastungen für die große Koalition zu schaffen.“

Weiter spekulierte Kerstin Palzer: „Doch was heißt das für die große Koalition. Muss der Koalitionsvertrag gut anderthalb Jahre nach Unterzeichnung nachverhandelt werden? Das lehnt die Union klar ab.“

O-Ton CDU-Generalsekretär Herr Ziemiak: „Es wird keine Nachverhandlungen geben….“

Weiter Kerstin Palzer mit der nächsten Dramatisierung: „Die AfD dagegen sieht nicht nur das Ende der großen Koalition, sondern auch gleich der SPD.“

O-Ton AfD-Bundessprecher Herr Meuthen: „Für die SPD ist im Parteiengefüge kein Platz mehr…“

Kurz darauf kam noch der Vorsitzende von Verdi, Herr Wernecke, zu Wort: „...Die Vorstellung, dass einseitig der Koalitionsvertrag zugunsten der SPD nachverhandelt werden kann, ist aus meiner Sicht nicht realistisch, das ist eine naive Vorstellung von Politik.“

Das Schlusswort von Kerstin Palzer enthielt dann düstere Prophezeiungen für die SPD:

„Viele in der Union vermuten, dass die SPD nicht auf ihren Forderungen bestehen wird, denn sollte die große Koalition am Linksruck in der SPD zerbrechen dann drohen Neuwahlen und die SPD müsste befürchten, dass sie dann noch schlechter abschneidet als beim letzten Mal.“

Mit ihrer Prophezeiung könnte Frau Palzer Recht behalten, da ja offensichtlich der gesamte Mainstream-Journalismus sich auf die Seite von CDU/CSU sowie AfD stellt, wenn es darum geht, den vermeintlichen „Linksruck“ in der SPD schlecht zu reden bzw. zu schreiben.

Dieser Tagesschau-Beitrag gab nur die Sicht von CDU/CSU sowie AfD wieder. Um diese Sicht zu bestätigen, wurde dann noch selektiv ein zum Framing passender Interview-Teil des Verdi-Vorsitzenden hinzugefügt.

Die Tagesschau-Redaktion hat hier ein Lehrstück von Meinungsjournalismus gezeigt. Die Tagesschau versteht sich ganz offensichtlich nicht mehr als Nachrichtensendung, sondern als Meinungsmache-Medium gemäß Vorgabe aus dem Bundeskanzleramt. Das ist massive Manipulation des Zuschauers.

….. Ende des Kommentars von Jens Köhler

Nachtrag:

Rein zufällig und parallel zum SPD-Parteitag lieferte das Institut Forsa den passenden medialen Tiefschlag für das neue, vom Establishment sehr ungeliebte Führungsduo Esken/Walter-Borjahns. Nur noch 11 Prozent würden demnach SPD wählen. Der Schönheitsfehler der Umfrage, die zu heftigen Zweifeln an der Seriosität von Forsa führen, lag unter anderem in der manipulativen Fragetechnik.
Quelle: http://norberthaering.de/de/27-german/news/1208-forsa

Wie bereits oben im Kommentar aufgezeigt, werden offenbar von Dritten alle Register gezogen, der ohnehin angeschlagenen SPD aktive Sterbehilfe zukommen zu lassen. Dafür lässt man sogar die ansonsten ungeliebte AfD Stellung beziehen und synchronisiert die Botschaft massenwirksam auf alle verfügbaren Kanäle. Der Grund für dieses „Engagement“ liegt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht an der überbordenden Wahrheitsliebe der Beteiligten, sondern an deren eigenen politischen Präferenzen und einer "klimabedingten" Auftragslage, die schon seit längerer Zeit Bestellungen für „schwarz-grün“ generiert. Immer im Vertrauen auf den Mitläufereffekt wird das Wahlvolk in die gewünschten Richtung gestubst, mal mehr und mal weniger intensiv – aber erkennbar zielstrebig.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass sich die Wähler - frei nach Kant - ihres eigenen Verstandes bedienen und sowohl Umfragen als auch fragmentierten Berichten niemals ungeprüft vertrauen oder gar nach ihren manipulativen Botschaften handeln und zwar nicht nur in Bezug auf die ehemals sozialdemokratische Partei, sondern auch auf vermeintliche Gewinner von Umfragen.

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