dpa-Meldung über angebliche „Hitzetote“ in Frankreich
Verfasst: 30. Mai 2026, 11:04
Betreff: [EXTERN] Kritische Anmerkungen zur dpa-Meldung über angebliche „Hitzetote“ in Frankreich
Sehr geehrter Herr Gösmann,
ich wende mich an Sie als Chefredakteur der dpa wegen der derzeit bundesweit verbreiteten Meldung zu angeblich sieben „Hitzetoten“ in Frankreich.
Nach meinem Eindruck ist die Meldung journalistisch problematisch formuliert und geeignet, Leser über den tatsächlichen Sachverhalt irrezuführen.
Bereits die Überschrift legt nahe, dass sieben Menschen unmittelbar infolge der Hitze ums Leben gekommen seien. Im Meldungstext selbst wird dies jedoch deutlich relativiert. Dort heißt es lediglich, die Todesfälle stünden „direkt oder indirekt“ mit der Hitze in Zusammenhang. Gleichzeitig wird ausdrücklich erwähnt, dass darunter „mindestens fünf Fälle von Ertrinken“ seien.
Gerade hierin liegt aus meiner Sicht das zentrale Problem der Berichterstattung. Denn ein Ertrinken ist zunächst einmal keine medizinisch oder statistisch eindeutig definierte Hitzetodesursache. Die Formulierung eröffnet vielmehr einen sehr weiten Interpretationsrahmen, bei dem bereits die Annahme genügt, dass Menschen wegen sommerlicher Temperaturen ein Gewässer aufgesucht haben könnten.
Eine solche sprachliche Konstruktion halte ich für journalistisch fragwürdig, weil sie beim Leser einen deutlich dramatischeren Eindruck erzeugt, als der tatsächliche Erkenntnisstand offenbar hergibt. Dies gilt umso mehr, als auch die beiden weiteren genannten Todesfälle bei Sportveranstaltungen ohne nähere medizinische Einordnung oder belastbare Kausalitätsfeststellung in denselben Zusammenhang eingeordnet werden.
Problematisch erscheint mir zudem, dass zahlreiche Medien diese Meldung nahezu wortgleich übernehmen und dadurch eine erhebliche Multiplikationswirkung entsteht. Gerade deshalb kommt der dpa als Leitagentur eine besondere Verantwortung für sprachliche Präzision und nachvollziehbare Differenzierung zu – insbesondere bei Überschriften, die vielfach unmittelbar übernommen werden.
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Gesundheitsrisiken durch Hitzeperioden zu verharmlosen. Ich halte es jedoch für journalistisch bedenklich, wenn statistisch oder kausal unscharfe Sachverhalte durch Überschriften und Formulierungen faktisch zu eindeutig belegten „Klimatoten“ verdichtet werden.
Sicherlich ist Ihnen auch das Phänomen der Reaktanz bekannt. Ich kann nicht für die Mehrheit der Rezipienten sprechen, bemerke jedoch bei mir selbst zunehmend die Tendenz, dpa-Meldungen weniger Vertrauen entgegenzubringen als noch vor einigen Jahren. Gerade deshalb halte ich eine besonders präzise und differenzierte Sprache für wichtig.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Kritik intern weitergeben und künftig auf eine präzisere sprachliche Einordnung vergleichbarer Meldungen hinwirken würden.
Mit freundlichen Grüßen
Torsten Küllig
Sehr geehrter Herr Gösmann,
ich wende mich an Sie als Chefredakteur der dpa wegen der derzeit bundesweit verbreiteten Meldung zu angeblich sieben „Hitzetoten“ in Frankreich.
Nach meinem Eindruck ist die Meldung journalistisch problematisch formuliert und geeignet, Leser über den tatsächlichen Sachverhalt irrezuführen.
Bereits die Überschrift legt nahe, dass sieben Menschen unmittelbar infolge der Hitze ums Leben gekommen seien. Im Meldungstext selbst wird dies jedoch deutlich relativiert. Dort heißt es lediglich, die Todesfälle stünden „direkt oder indirekt“ mit der Hitze in Zusammenhang. Gleichzeitig wird ausdrücklich erwähnt, dass darunter „mindestens fünf Fälle von Ertrinken“ seien.
Gerade hierin liegt aus meiner Sicht das zentrale Problem der Berichterstattung. Denn ein Ertrinken ist zunächst einmal keine medizinisch oder statistisch eindeutig definierte Hitzetodesursache. Die Formulierung eröffnet vielmehr einen sehr weiten Interpretationsrahmen, bei dem bereits die Annahme genügt, dass Menschen wegen sommerlicher Temperaturen ein Gewässer aufgesucht haben könnten.
Eine solche sprachliche Konstruktion halte ich für journalistisch fragwürdig, weil sie beim Leser einen deutlich dramatischeren Eindruck erzeugt, als der tatsächliche Erkenntnisstand offenbar hergibt. Dies gilt umso mehr, als auch die beiden weiteren genannten Todesfälle bei Sportveranstaltungen ohne nähere medizinische Einordnung oder belastbare Kausalitätsfeststellung in denselben Zusammenhang eingeordnet werden.
Problematisch erscheint mir zudem, dass zahlreiche Medien diese Meldung nahezu wortgleich übernehmen und dadurch eine erhebliche Multiplikationswirkung entsteht. Gerade deshalb kommt der dpa als Leitagentur eine besondere Verantwortung für sprachliche Präzision und nachvollziehbare Differenzierung zu – insbesondere bei Überschriften, die vielfach unmittelbar übernommen werden.
Mir geht es ausdrücklich nicht darum, Gesundheitsrisiken durch Hitzeperioden zu verharmlosen. Ich halte es jedoch für journalistisch bedenklich, wenn statistisch oder kausal unscharfe Sachverhalte durch Überschriften und Formulierungen faktisch zu eindeutig belegten „Klimatoten“ verdichtet werden.
Sicherlich ist Ihnen auch das Phänomen der Reaktanz bekannt. Ich kann nicht für die Mehrheit der Rezipienten sprechen, bemerke jedoch bei mir selbst zunehmend die Tendenz, dpa-Meldungen weniger Vertrauen entgegenzubringen als noch vor einigen Jahren. Gerade deshalb halte ich eine besonders präzise und differenzierte Sprache für wichtig.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Kritik intern weitergeben und künftig auf eine präzisere sprachliche Einordnung vergleichbarer Meldungen hinwirken würden.
Mit freundlichen Grüßen
Torsten Küllig